Der Spinnennetz-Obsidian und sein Adernetz
Ein Geflecht heller Adern, das über das Schwarz läuft, sich verzweigt, sich kreuzt: Der Spinnennetz-Obsidian trägt seinen Namen zu Recht. Anders als die Arten mit Reflexen ist sein Muster eine Narbe, die Spur alter Risse, die der Stein geschlossen hat. Hier erfährst du, wie er entsteht, und wie du ihn nicht mit seinen drei Doppelgängern verwechselst.

Was ist der Spinnennetz-Obsidian?
Der Spinnennetz-Obsidian, englisch spiderweb obsidian, ist eine Art des schwarzen Obsidians, durchzogen von einem Netz hellerer Adern: weiß, grau, beige, manchmal rotbraun. Diese Adern verzweigen und kreuzen sich zu einem unregelmäßigen Geflecht, das an ein Netz erinnert.
Sein großer Unterschied zu anderen gemusterten Arten: Man sieht ihn sofort, bei vollem Licht, ohne ihn ausrichten oder ins Gegenlicht halten zu müssen. Es ist ein direkter Stein, der sofort zeigt, was er ist.
Jedes Stück ist einzigartig, das Netz wiederholt sich nie, und genau das gefällt Sammlern. Einordnung neben den anderen findest du in meinem Ratgeber zu den Obsidian-Arten.
Woher sein Adernetz kommt
Das macht diese Art interessant: Ihr Muster ist weder ein optischer Effekt noch eine Ablagerung ursprünglichen Ursprungs. Es ist eine geschlossene Wunde.

Obsidian ist Glas, und wie jedes Glas bricht er. Nach seiner Entstehung kann ein Lavastrom aus mehreren Gründen reißen: Spannungen beim Abkühlen, Bodenbewegungen, oder die langsame Hydratation des Glases, die es leicht aufquellen und von innen aufplatzen lässt.
Diese Risse bleiben nicht leer. Mit Mineralien beladenes Wasser, Kieselsäure, Eisenoxide, Karbonate, zirkuliert und lagert sich im Lauf der Zeit dort ab. Das Material, das den Riss füllt, unterscheidet sich vom ursprünglichen Glas: heller, undurchsichtiger, oft kreidig anmutend. Das ist es, was man sieht.
Bei manchen Stücken geht das Phänomen weiter: Das Gestein ist in Fragmente zerbrochen, die anschließend wieder miteinander verkittet wurden. Man spricht dann von einer Breccie, und das Netz wird zu einem regelrechten Puzzle. Diese Stücke gehören oft zu den spektakulärsten.
Ich finde diesen Stein sehr sprechend. Was man daran bewundert, sind seine Brüche, nur dass sie ausgefüllt wurden, und das Muster schöner geworden ist als die unversehrte Oberfläche. Man kann darin lesen, was man will, aber das Bild ist da.
Ein Name, der mehrere Steine umfasst
Das sollte man ansprechen, denn nur wenige Seiten tun es: „Spinnennetz" ist eine beschreibende Handelsbezeichnung, keine präzise mineralogische Kategorie. Sie bezeichnet ein Erscheinungsbild, und dieses Erscheinungsbild kann aus mehreren unterschiedlichen Phänomenen resultieren.
- Gefüllte Risse, der häufigste Fall: Sprünge, gefüllt mit hellem mineralischem Material;
- Verkittete Breccie, das Gestein ist in Stücke zersprungen und dann wieder verschmolzen;
- Perlitische Rissbildung, das Glas reißt beim Hydratisieren in konzentrischen Bögen, die sich zersetzen und aufhellen;
- Entglasung entlang der Risse, das Glas begann an der Oberfläche der Risse zu kristallisieren, was hellere Säume erzeugte.
All diese Steine sind echte Obsidiane, und alle werden unter demselben Namen verkauft. Suche also nicht nach einer einheitlichen Definition: Es gibt keine. Was zählt, ist, dass das Muster natürlich ist, nicht die exakte Kategorie.
Klar gesagt, behauptet ein Verkäufer, sein Spinnennetz-Obsidian sei „der echte" im Gegensatz zu anderen, ist das ein Verkaufsargument. Der Begriff ist beschreibend, und mehrere unterschiedliche Entstehungsformen verdienen ihn gleichermaßen.
Seine drei Doppelgänger
Drei Steine haben ein ähnliches Erscheinungsbild oder einen ähnlichen Namen. So triffst du die richtige Unterscheidung.
Der Mitternachtsspitze-Obsidian
Das ist die häufigste Verwechslung zwischen Obsidian-Arten. Die Unterscheidung ist jedoch einfach und beruht auf zwei Kriterien.
| Kriterium | Spinnennetz | Mitternachtsspitze |
|---|---|---|
| Art der Zeichnung | Eckiges, verzweigtes Netz, ohne Richtung | Gebogene, parallele Bänder |
| Ursprung | Gefüllte Risse | Fließbänderung |
| Betrachtung | Bei direktem Licht | Vor allem im Gegenlicht |
| Farbe des Musters | Hellere Adern als der Untergrund | Dunklere Bänder, im Durchlicht |
Die Faustregel: Ist das Muster auf einem Tisch liegend sichtbar, ist es ein Spinnennetz-Obsidian. Muss man den Stein zum Licht heben, ist es eine Mitternachtsspitze.
Die Schneeflocke
Viel leichter zu unterscheiden: Der Schneeflocken-Obsidian zeigt runde, isolierte Flecken, im Glas gebildete Cristobalit-Kristalle, und keine Linien. Keine Verzweigung, kein Netz. Punkte, keine Striche.
Jaspis und Türkis mit Spinnennetz-Muster
Achtung bei dieser Verwechslung, die völlig unterschiedliche Gesteine betrifft. Spinnennetz-Jaspis und Spinnennetz-Türkis teilen dieselbe beschreibende Bezeichnung, aber:
- Jaspis ist mikrokristalliner Quarz, matt, undurchsichtig, härter (6,5 bis 7 auf der Mohs-Skala);
- Türkis ist blaugrün, mit braunem oder schwarzem Netz, genau das Gegenteil von Obsidian;
- Obsidian ist Glas, Glasglanz, fast spiegelnd, mittlere Härte von 5 bis 5,5.
Der entscheidende Anhaltspunkt bleibt der Glanz. Ein polierter Obsidian glänzt wie Glas. Ein Jaspis, selbst gut poliert, behält ein wachsartiges Erscheinungsbild.
Die dem Spinnennetz-Obsidian zugeschriebene Wirkung
Wie bei anderen seltenen Arten sei es gleich gesagt: Es handelt sich um einen modernen Handelsnamen, ohne eigene alte Tradition. Die heutigen Zuordnungen wurden in den letzten Jahrzehnten formuliert, in Analogie zu seinem Muster.
Davon abgesehen sind sie stimmig:
- Reparatur und Wiederaufbau: das ist seine dominierende Symbolik, und sie ergibt sich direkt aus seiner Entstehung, ein Stein, dessen Brüche geschlossen wurden;
- Resilienz: die Vorstellung, dass ein Bruch zur Stärke werden kann statt zur Schwäche;
- das Erkennen von Verbindungen: in Analogie zum Netz verbindet man ihn mit dem Verstehen verworrener Situationen;
- Schutz und Erdung, allen Obsidianen gemeinsame Eigenschaften.
Es ist wahrscheinlich die Art mit der stimmigsten Symbolik im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Geologie. Bei den Chakren verbindet man sie mit dem Wurzelchakra wie jeden Obsidian. Die vollständige Übersicht steht in meinem Ratgeber Obsidian und Chakren.
Wie man ihn wählt und trägt
Gute Nachricht im Vergleich zur Mitternachtsspitze: Da sein Muster bei direktem Licht sichtbar ist, funktioniert der Spinnennetz-Obsidian hervorragend als Schmuck. Er ist sogar eine der wenigen seltenen Arten, die man beim Tragen voll genießen kann.

Ein paar Anhaltspunkte für die richtige Wahl:
- Achte auf den Kontrast, schöne Stücke haben klare, deutliche Adern auf tiefem Schwarz. Ein graues Muster auf Grau wirkt charakterlos;
- Achte auf die Dichte des Netzes, zu viele Adern lassen den Stein unruhig wirken, zu wenige, und der Effekt verschwindet;
- Prüfe die Festigkeit, die Adern sind alte Risse, also Schwachstellen. Ein sehr dichtes Netz schwächt den Stein. Vermeide dann Ringe, die stoßgefährdet sind;
- Sei vorsichtig bei zu regelmäßigen Mustern, echte Rissbildung ist ungeordnet. Ein geometrisches Netz mit gleichmäßiger Linienbreite kann einen gravierten oder gefärbten Stein verraten.
Ich arbeite diese Art nicht in der Werkstatt, sie bleibt schwer in konstanter Qualität zu beschaffen. Wenn du einen Obsidian für den Alltag suchst, bietet der klassische schwarze Obsidian dieselbe Erdungsenergie, ohne die Zerbrechlichkeit der Adern.
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Mineralogisches Datenblatt
- Beschaffenheit
- Natürliches Vulkanglas (Mineraloid, amorph)
- Weitere Namen
- Spiderweb obsidian, geädertes Obsidian
- Farbe
- Schwarz, durchzogen von weißen, grauen, beigen oder rotbraunen Adern
- Ursprung des Musters
- Gefüllte Risse, verkittete Breccie oder perlitische Rissbildung
- Betrachtung
- Bei direktem Licht, ohne besondere Ausrichtung
- Zusammensetzung
- Siliziumdioxid (SiO₂), Kieselsäure- und Oxidfüllungen
- Härte (Mohs)
- Etwa 5 bis 5,5, an den Adern geringer
- Festigkeit
- Die Adern sind Schwachstellen: Stücke sorgfältig handhaben
- Lagerstätten
- Mexiko, USA, Armenien, je nach Lavastrom
- Chakren
- Wurzel
- Alter der Tradition
- Jung: moderne Handelsbezeichnung
Pflege und Reinigung
Hier kommt eine strukturelle Vorsichtsmaßnahme hinzu: Da die Adern alte, mit weicherem und manchmal porösem Material gefüllte Risse sind, bilden sie die Schwachstelle des Steins.
- Vermeide längeres Einweichen, Wasser kann in die porösen Füllungen eindringen;
- Reinigung, vorzugsweise ein weiches, trockenes Tuch. Bei Bedarf kurz unter klarem Wasser abspülen, sofort abtrocknen;
- Purifikation, Räuchern ist hier ideal, da es jeglichen Flüssigkeitskontakt vermeidet. Verzichte auf Salz, das sich in den Adern festsetzt;
- Aufladen, Mondlicht, ohne längere Sonneneinstrahlung;
- Stöße, ein geäderter Stein bricht entlang seiner alten Risse. Bewahre ihn einzeln in einem weichen Beutel auf.
Die vollständigen Handgriffe findest du in meinen Ratgebern Obsidian reinigen und Reinigen und Aufladen.
Gut zu wissen, die hier beschriebenen Eigenschaften gehören zur Steinheilkunde, einem Wellness-Ansatz, der auf Traditionen und Glaubensvorstellungen beruht. Sie stellen keine medizinische Aussage dar, heilen keine Krankheit und ersetzen niemals die Beratung durch eine medizinische Fachperson. Siehe auch Obsidian, Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen.
Häufige Fragen
Was ist der Spinnennetz-Obsidian?
Was ist der Unterschied zur Mitternachtsspitze?
Ist der Spinnennetz-Obsidian zerbrechlich?
Wie unterscheidet man ihn vom Spinnennetz-Jaspis?
Welche Wirkung hat der Spinnennetz-Obsidian?
Wie erkennt man ein falsches Muster?
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