Der Kürbis-Obsidian und der Erdnuss-Obsidian
Orangefarbene Flecken wie eine Kürbisschale, beige Ansammlungen, die an Erdnussschalen erinnern: Der Kürbis-Obsidian und der Erdnuss-Obsidian tragen die unerwartetsten Namen der Familie. Und sie verbergen eine Verwandtschaft, die nur wenige vermuten, eine direkte Verbindung zum Schneeflocken-Obsidian.

Was sind der Kürbis-Obsidian und der Erdnuss-Obsidian?
Das sind zwei Arten des schwarzen Obsidians, gekennzeichnet durch runde, helle Ansammlungen, verteilt im Vulkanglas.
Der Kürbis-Obsidian, englisch pumpkin obsidian, spanisch obsidiana calabaza, zeigt orangefarbene bis rotbraune Zonen und Sprenkel auf dunklem Grund. Der Vergleich mit einer Kürbisschale liegt auf der Hand, daher der Name.
Der Erdnuss-Obsidian, englisch peanut obsidian, spanisch obsidiana cacahuate, zeigt beige, hellgraue oder blassbraune Ansammlungen, oft zu zweit oder dritt gruppiert, deren Form und Farbton an auf Schwarz liegende Erdnussschalen erinnern.
Beide Bezeichnungen stammen aus mexikanischen Steinbrüchen und sind in Deutschland wenig verbreitet. Einordnung neben den anderen findest du in meinem Ratgeber zu den Obsidian-Arten.
Ich mag diese Küchennamen inmitten von Himmelsaugen und Pfauensamt. Sie sagen etwas Wahres über die Steinbrecher, die sie so getauft haben: Man benennt, was man vor Augen hat, und so bekommt man Steine, die Kürbis heißen.
Das gemeinsame Geheimnis: die Sphärolithe
Hier die Information, die fast keine Website gibt und die alles erklärt: Die Flecken dieser beiden Arten sind Sphärolithe.

Ein Sphärolith ist eine Ansammlung faseriger Kristalle, strahlenförmig angeordnet, gewachsen aus einem einzigen Punkt, wie eine kleine Flaumkugel. Der Mechanismus ist folgender.
Obsidian ist Glas: Die Lava kühlte so schnell ab, dass ihre Atome keine Zeit hatten, sich zu Kristallen zu ordnen. Aber dieses Glas befindet sich in einem metastabilen Zustand, es „möchte" kristallisieren. Bleibt die Temperatur lange genug hoch genug, oder bietet ein Defekt einen Ausgangspunkt, beginnt die Kristallisation örtlich.
Sie schreitet dann strahlenförmig von diesem Punkt aus fort und bildet eine Kugel aus mineralischen Fasern, meist Feldspat und Cristobalit. Diese Kristalle sind, anders als das Glas, undurchsichtig und hell: Sie erscheinen als blasse Flecken auf dem Schwarz.
Man nennt diesen Prozess Entglasung: Das Glas wird stellenweise wieder zu einem kristallinen Gestein. Um die Entstehung von Obsidian zu verstehen, siehe wie Obsidian entsteht.
Die Familie des Schneeflocken-Obsidians
Diesen Mechanismus kennst du bereits, auch wenn du es nicht wusstest. Es ist genau derselbe wie beim Schneeflocken-Obsidian, dessen weiße Blüten ebenfalls Cristobalit-Sphärolithe sind.
Kürbis, Erdnuss und Schneeflocke bilden also eine gemeinsame geologische Familie: die der sphärolithischen Obsidiane. Was sie unterscheidet, ist weder ihre Beschaffenheit noch ihre Entstehung, sondern drei Parameter.
| Art | Größe der Sphärolithe | Farbe | Verteilung |
|---|---|---|---|
| Schneeflocke | Klein, wenige Millimeter | Weiß bis hellgrau | Regelmäßig verteilt |
| Erdnuss | Mittel, oft gruppiert | Beige, grau, blassbraun | In Zweier- oder Dreiergruppen |
| Kürbis | Groß, manchmal verschmelzend | Orange bis rotbraun | In ausgedehnten Flächen |
Die Farbe hängt von der Zusammensetzung der Kristalle und der vorhandenen Eisenoxide ab: Weiß bei reinem Cristobalit, beige bis orange, wenn Eisen mit im Spiel ist. Die Größe hängt von der verfügbaren Wachstumszeit ab: Je langsamer die Abkühlung, desto mehr Zeit hatten die Sphärolithe zu wachsen.
Was du dir merken solltest, wenn dir der Schneeflocken-Obsidian gefällt, sind Erdnuss und Kürbis seine warmen Varianten. Gleicher Stein, gleiche Entstehung, nur die Palette ändert sich. Ein guter Grund, diese Arten anzugehen, ohne sie zu überzahlen: Sie sind im geologischen Sinne nicht „seltener".
Kürbis oder Erdnuss: wie entscheidet man?
Ehrlich gesagt ist die Grenze unscharf und hängt stark vom Verkäufer ab. Zwei Anhaltspunkte helfen trotzdem.
Kürbis
Vorherrschend orange bis rötlich, in großen Flächen, die einen guten Teil des Steins einnehmen können. Der Gesamteindruck ist warm.
Erdnuss
Vorherrschend beige bis grau, in klar abgegrenzten, isolierten ovalen Ansammlungen. Der Gesamteindruck bleibt dunkel, durchsetzt mit Hellem.
Der erste Anhaltspunkt ist also die Farbe: warm beim Kürbis, neutral bei der Erdnuss. Der zweite ist die bedeckte Fläche: der Kürbis tendiert zu großen Flächen, die Erdnuss zu isolierten Flecken.
Ein und derselbe Lavastrom kann beide liefern, und ein Zwischenstein wird je nach Laune des Steinbrechers unter dem einen oder anderen Namen verkauft. Wie beim Pfauensamt sind das Handelsbezeichnungen, keine mineralogischen Kategorien.
Die diesen Arten zugeschriebene Wirkung
Wie bei anderen Arten mit jungem Handelsnamen sei es klargestellt: Es gibt keine eigene alte Tradition für Kürbis oder Erdnuss. Die heutigen Zuordnungen wurden in Analogie zu ihrem Erscheinungsbild formuliert.
Man schreibt ihnen im Allgemeinen zu:
- Erdung und Schutz, allen Obsidianen gemeinsame Eigenschaften;
- Wärme und Trost für den Kürbis, in Analogie zu seinen herbstlichen Tönen;
- Gleichgewicht und Geduld für die Erdnuss, in der Tradition des Schneeflocken-Obsidians, dessen Struktur sie teilt;
- inneres Wachstum: eine Zuordnung, die sich schön aus der Geologie ergibt, da Sphärolithe buchstäblich Kristalle sind, die in der erstarrten Materie gewachsen sind.
Bei den Chakren verbindet man sie mit dem Wurzelchakra wie jeden Obsidian, den Kürbis manchmal auch mit dem Sakralchakra für seine orangefarbenen Töne. Die vollständige Übersicht steht in meinem Ratgeber Obsidian und Chakren.
Wenn dich diese warmen Töne ansprechen, bietet der Mahagoni-Obsidian eine ähnliche Palette, rotbraun, mit deutlich besserer Verfügbarkeit, und ich verarbeite ihn in der Werkstatt.
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Gute Nachricht: Diese Arten werden wenig nachgeahmt, einfach weil sie wenig nachgefragt und günstig sind. Das Hauptrisiko ist nicht der falsche Stein, sondern der gefärbte Stein oder eine Fantasiebezeichnung.
- Die Sphärolithe müssen ein Relief haben, bei streifendem Licht erkennt man einen sehr leichten Niveauunterschied zwischen dem polierten Glas und den kristallisierten, weicheren und daher leicht vertieften Zonen;
- Die Konturen müssen diffus sein, ein Sphärolith geht allmählich ins Glas über. Eine scharfe, regelmäßige Kontur verrät eine Färbung oder einen Aufdruck;
- Die Verteilung muss unregelmäßig sein, zu gleichmäßig verteilte Flecken sind verdächtig;
- Sei vorsichtig bei grellem Orange, der natürliche Kürbis bleibt in Erdtönen, nie schrill.
Preislich gehören diese Arten zu den erschwinglichsten Obsidianen, auf demselben Niveau wie der Schneeflocken-Obsidian. Ein hoher Preis ist hier nicht durch Seltenheit gerechtfertigt. Meine Anhaltspunkte findest du in Preis und Wert von Obsidian.
Ein technischer Punkt, den man kennen sollte: Da Sphärolithe weicher als das Glas sind, lassen sie sich schlechter polieren. Ein Stein mit großen Sphärolithen zeigt oft eine leicht unregelmäßige Politur, das ist kein Herstellungsfehler, sondern die Natur des Materials.
Mineralogisches Datenblatt
- Beschaffenheit
- Vulkanglas mit Sphärolithen (teilweise entglastes Mineraloid)
- Weitere Namen
- Pumpkin obsidian, obsidiana calabaza, peanut obsidian, obsidiana cacahuate
- Farbe
- Schwarz mit orangefarbenen (Kürbis) oder beigen (Erdnuss) Ansammlungen
- Ursprung des Musters
- Sphärolithe: strahlenförmige Faserkristalle aus Entglasung
- Mineralien der Sphärolithe
- Feldspat, Cristobalit, Eisenoxide
- Familie
- Sphärolithische Obsidiane, wie der Schneeflocken-Obsidian
- Härte (Mohs)
- Etwa 5 bis 5,5, an den Sphärolithen geringer
- Politur
- Leicht unregelmäßig: Sphärolithe sind weicher als das Glas
- Lagerstätten
- Hauptsächlich Mexiko
- Chakren
- Wurzel, beim Kürbis auch Sakral
- Alter der Tradition
- Jung: moderne Handelsbezeichnungen
Pflege und Reinigung
Hier ist eine strukturbedingte Vorsichtsmaßnahme nötig: Die Sphärolithe sind weicher und leicht poröser als das umgebende Glas.
- Vermeide Einweichen, Wasser kann in die kristallisierten Zonen eindringen;
- Reinigung, vorzugsweise ein weiches, trockenes Tuch. Bei Bedarf kurz unter klarem Wasser abspülen, sofort abtrocknen;
- Purifikation, Räuchern eignet sich hier perfekt, da es jeden Flüssigkeitskontakt vermeidet. Verzichte auf Salz, das sich in den Sphärolithen festsetzt;
- Aufladen, Mondlicht, ohne längere Sonneneinstrahlung;
- Abrieb, reibe niemals mit einem Schwamm oder rauem Mikrofasertuch: Du würdest die Sphärolithe schneller abnutzen als das Glas und die Politur eindellen.
Die vollständigen Handgriffe findest du in meinen Ratgebern Obsidian reinigen und Reinigen und Aufladen.
Gut zu wissen, die hier beschriebenen Eigenschaften gehören zur Steinheilkunde, einem Wellness-Ansatz, der auf Traditionen und Glaubensvorstellungen beruht. Sie stellen keine medizinische Aussage dar, heilen keine Krankheit und ersetzen niemals die Beratung durch eine medizinische Fachperson. Siehe auch Obsidian, Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen.
Häufige Fragen
Was ist der Kürbis-Obsidian?
Was ist der Unterschied zwischen Kürbis und Erdnuss?
Was ist die Verbindung zum Schneeflocken-Obsidian?
Was ist ein Sphärolith?
Sind diese Obsidiane selten?
Warum ist die Politur meines Steins unregelmäßig?
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