Wie entsteht Obsidian?
Bevor Obsidian zum Schmuckstück wird, ist er eine Geschichte aus Feuer, Lava und geologischem Zufall. Hier erfährst du ganz einfach, wie dieser schwarze Stein direkt aus den Vulkanen entsteht.

Obsidian, ein Glas aus dem Vulkan
Anders als die meisten Steine ist Obsidian kein Kristall: Er ist ein natürliches Vulkanglas. Man zählt ihn zu den Mineraloiden, denn seine Substanz ist amorph – seine Atome sind nicht in einem geordneten Gitter angeordnet wie bei einem Quarz, sondern ungeordnet erstarrt, genau wie im Glas einer Fensterscheibe.

Er besteht zu über 70 % aus Kieselsäure (SiO₂), mit etwas Aluminium, Natrium und Kalium. Seine Zusammensetzung ähnelt also der von Granit oder Rhyolith; den Unterschied macht seine glasartige Textur, die durch eine besondere Abkühlung entsteht.
Die Entstehung von Obsidian
Alles beginnt mit dem Ausbruch felsischer (sogenannter „saurer“) Lava, die sehr reich an Kieselsäure ist. Diese Lava ist extrem zähflüssig: Sie fließt langsam, wie dicker Honig. In ihrem Inneren verketten sich die langen Kieselsäure-Ketten und hindern die Atome daran, sich zu bewegen.

Um Kristalle zu bilden, brauchen Minerale aber Zeit und Beweglichkeit. Hier fehlt beides: Die Lava erstarrt, ohne dass Kristalle entstehen können. Das Ergebnis: ein dichtes, homogenes Glas ohne Kristallstruktur – Obsidian.
Lange fasste man dieses Phänomen als „blitzschnelle“ Abkühlung zusammen. Neuere Forschungen relativieren das: Für ein so dichtes, blasenfreies Glas bräuchte es in Wirklichkeit eine langsamere Abkühlung als gedacht, über mehrere Wochen hinweg, bis sich die Gasblasen auflösen. Eines bleibt sicher: Das Fehlen der Kristallisation macht den ganzen Unterschied.
Ein Stück Obsidian in der Hand zu halten heißt, ein Stück erstarrten Vulkan zu halten. Ich finde diesen Gedanken schwindelerregend: Dieser so glatte Stein war vor langer Zeit einmal glühende Lava.
Warum ist Obsidian schwarz?
Seine dunkle Farbe stammt vor allem von kleinen Mengen Eisen und Magnesium, die im Glas verteilt sind. Je nach den Verunreinigungen und Einschlüssen, die beim Erstarren eingeschlossen werden, kann Obsidian auch andere Erscheinungsbilder annehmen:
- weiße Flecken (Cristobalit-Kristalle) → der Schneeflocken-Obsidian;
- ausgerichtete Gasblasen, die einen goldenen oder silbrigen Schimmer erzeugen → der Sheen-Obsidian;
- Magnetit-Nanopartikel, die das Licht zerlegen → der Regenbogen-Obsidian und das Himmelsauge.
Ich erkläre all diese Varianten ausführlich im Abschnitt die Obsidian-Varianten meines ultimativen Ratgebers.
Wo findet man Obsidian?
Obsidian entsteht überall dort, wo es kieselsäurereiche Ausbrüche gab, oft am Rand und an der Oberfläche von Rhyolith-Strömen oder an den Rändern von Lavadomen. An diesen Rändern, die schneller und sauberer abkühlen, findet man das schönste Material.

Zu den bekannten Fundorten gehören: Mexiko, die USA (Glass Butte und Big Obsidian Flow in Oregon, Obsidian Cliff im Yellowstone), Island (Vulkan Hekla), Italien (die Äolischen Inseln, darunter Lipari), aber auch Armenien, die Türkei, Japan und Griechenland. Lauter Vulkanländer.
Ein Stein, der altert
Eine geologische Besonderheit: Obsidian ist metastabil. Mit anderen Worten, dieses Glas ist nicht ewig: Sehr langsam, über Millionen von Jahren, ordnet es sich zu feinen Kristallisationen um – das ist die Entglasung (Devitrifikation), die unter anderem die Schneeflocken-Muster hervorbringt.
Deshalb findet man kaum sehr alten Obsidian: Die ältesten Vorkommen haben sich bereits umgewandelt. Wasser beschleunigt diesen Vorgang: Im Kontakt mit Grundwasser nimmt Obsidian nach und nach Wasser auf und verwandelt sich in Perlit, ein stumpferes Glas. Der schwarze, glänzende Stein, den du trägst, ist also – im Maßstab der Erde – eher jung.
Vom Rohgestein zum Schmuckstück
Dasselbe Material, aus dem einst Klingen und Pfeilspitzen gefertigt wurden – dank seines muscheligen Bruchs mit scharfen Kanten –, wird heute zum Schmuckstück. Die Arbeit besteht darin, schöne Bruchstücke auszuwählen, sie behutsam zu schleifen und dann zu polieren, bis dieses tiefe, fast flüssige Schwarz entsteht.

Bei mir wird jeder Stein einzeln ausgewählt und dann von Hand gefasst. Diese Sorgfalt sorgt dafür, dass kein Schmuckstück einem anderen ganz gleicht. Du kannst meine Obsidian-Armbänder entdecken oder den ganzen Shop durchstöbern.
Wenn ich meine Rohsteine auswähle, achte ich immer auf diese kleinen Blasen und leichten Reflexe: Sie sind das Kennzeichen eines echten Obsidians. Genau dort, vor dem Stand, beginnt in Wahrheit jedes Schmuckstück.
Und falls du Fälschungen aus gefärbtem Glas fürchtest, ist das berechtigt: Ich erkläre dir im Ratgeber, wie du echten Obsidian erkennst.
Häufige Fragen
Ist Obsidian ein echter Stein oder Glas?
Was ist der Unterschied zwischen Obsidian und Lava (Basalt)?
Warum ist Obsidian so scharf?
Gibt es Obsidian in Deutschland?
Wie wäre es mit deinem eigenen Obsidian?
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