Schwarzer Spinell oder Obsidian: wie unterscheidet man sie?
Der zuverlässigste Test braucht weder Lupe noch Werkzeug: das Gewicht. Bei gleicher Größe wiegt schwarzer Spinell etwa die Hälfte mehr als Obsidian. Hier erfährst du, wie du diese beiden schwarzen Steine unterscheidest, ohne etwas zu beschädigen, ihre Kennwerte, fünf Prüfungen für zu Hause, und warum schwarzer Spinell überhaupt keine Fälschung von Obsidian ist.

Zwei schwarze Steine, die grundverschieden sind

Obsidian ist kein Kristall. Es ist natürliches Vulkanglas, entstanden aus kieselsäurereicher Lava, die erstarrte, bevor sie kristallisieren konnte. Seine Atome sind ungeordnet erstarrt, genau wie in einer Fensterscheibe. Man ordnet ihn den Mineraloiden zu, nicht den Mineralen, diese Entstehung beschreibe ich in wie Obsidian entsteht.
Schwarzer Spinell ist das genaue Gegenteil: ein echtes Mineral, kristallisiert im kubischen System, mit der Formel Magnesiumaluminat (MgAl₂O₄), die schwarzen Varianten verdanken ihre Farbe einem hohen Eisengehalt. Er entsteht in metamorphen Gesteinen und alluvialen Lagerstätten, hauptsächlich in Thailand, Myanmar, Sri Lanka und Madagaskar.
Dieser Unterschied im Wesen erklärt alles Weitere. Glas ist leicht und weich; ein dichter Kristall aus der Spinell-Familie ist schwer und hart. Du musst dir die folgenden Zahlen nicht merken: Behalte nur, dass sich diese beiden Steine ausschließlich in der Farbe ähneln.
Obsidian und schwarzer Spinell: die Vergleichstabelle

| Kriterium | Obsidian | Schwarzer Spinell |
|---|---|---|
| Beschaffenheit | Vulkanglas, amorph | Kristallines Mineral, kubisch |
| Zusammensetzung | Silikatglas, über 70 % SiO₂ | MgAl₂O₄, eisenreich |
| Härte (Mohs) | 5 bis 5,5 | 7,5 bis 8 |
| Dichte | 2,35 bis 2,60 | 3,58 bis 4,06 (≈ 3,60) |
| Brechungsindex | 1,48 bis 1,51 | 1,71 bis 1,74 |
| Glanz | Glasig | Glasig bis sub-diamantartig |
| An dünnen Kanten | Oft durchscheinend braun, grün oder grau | Bleibt opak schwarz |
| Übliche Bearbeitung | Runde Perlen, Cabochons, Scheiben | Facettierte Perlen, Rondelle |
| Herkunft | Mexiko, USA, Island, Italien | Thailand, Myanmar, Sri Lanka, Madagaskar |
Klar gesagt, in der Praxis reichen zwei Zeilen. Die Dichte (≈ 2,45 gegenüber ≈ 3,60) spürt man sofort in der Hand. Die Härte erklärt den Rest: warum Spinell facettiert wird und Obsidian nicht, warum der eine verkratzt und der andere nicht.
Fünf Tests für zu Hause

Vom zuverlässigsten zum unzuverlässigsten, alle zerstörungsfrei außer dem letzten, von dem ich abrate.
Wiegen
Der entscheidende Test. Ein Armband mit 22 Perlen à 8 mm wiegt etwa 14,5 g in Obsidian gegenüber 21 g in Spinell, fast 50 % mehr. Lege ein Armband in jede Hand: Der Unterschied ist sofort spürbar. Eine kleine Küchenwaage entscheidet endgültig.
Die Kanten im hellen Licht betrachten
Halte den Stein vor ein Fenster oder eine starke Lampe. An einer dünnen Kante oder einer schmalen Perle lässt Obsidian oft einen braunen, grünen oder grauen Schimmer durch, manchmal einige eingeschlossene Gasbläschen. Schwarzer Spinell dagegen bleibt vollkommen opak.
Den Schliff betrachten
Die schnellste Abkürzung. Schwarzer Spinell ist fast immer facettiert: Seine Härte erlaubt scharfe, glänzende Kanten. Obsidian, weicher, wird rund oder als Cabochon bearbeitet. Eine schwarze Perle mit scharfen, funkelnden Facetten? Sehr wahrscheinlich Spinell.
Fühlen
Ein Zusatzhinweis, kein Beweis. Beide fühlen sich beim ersten Kontakt kühl an, aber Obsidian, ein Glas, also ein schlechter Wärmeleiter, erwärmt sich schneller in der Hand. Spinell bleibt länger kühl. In Kombination mit den anderen Tests aussagekräftig.
Ritzen, besser vermeiden
Man liest überall, eine Stahlspitze (Härte ≈ 5,5) ritzt Obsidian, aber nicht Spinell. Das stimmt, und es ist auch der beste Weg, einen Schmuckstein endgültig zu beschädigen. Falls du darauf bestehst, tu es an einer verdeckten Stelle, am Fuß einer Perle. Sonst reichen die vier vorherigen Tests völlig aus.
Achtung, keiner dieser Tests ersetzt eine gemmologische Untersuchung. Bei einem wertvollen Stück oder im Streitfall mit einem Verkäufer kann nur ein unabhängiges Labor sicher entscheiden, Brechungsindex und Dichte werden dort in wenigen Minuten gemessen.
Welchen für ein Schmuckstück wählen?
Ehrlich gesagt: Rein technisch betrachtet gewinnt schwarzer Spinell. Mit 7,5 bis 8 auf der Mohs-Skala widersteht er alltäglichen Kratzern deutlich besser als Obsidian mit 5-5,5. Für einen täglich getragenen Ring ist das ein echter Vorteil.
Schwarzer Spinell ist keine Obsidian-Fälschung. Es ist ein schöner Stein, härter als meiner, der besser altert. Das Problem war nie der Stein, sondern das Etikett. Spinell unter dem Namen „Obsidian" zu verkaufen, oder umgekehrt, das ist es, was nicht in Ordnung ist.
Was Obsidian für sich hat, liegt auf einer anderen Ebene. Sein Material erzählt etwas: erstarrte Lava, ein geologischer Zufall, Glas, geboren aus dem Feuer. Sein Schwarz wirkt nicht glänzend, sondern tief, fast flüssig, je nach Licht, ein Effekt, den das Funkeln von Spinell nicht bietet. Und ihm, nicht dem Spinell, ordnet die Steinheilkunde Erdung und Schutz zu.
In der Praxis: Spinell, wenn du Glanz und Widerstandsfähigkeit suchst, Obsidian, wenn du Tiefe und eine Geschichte suchst. Das sind zwei unterschiedliche Entscheidungen, nicht eine gute und eine schlechte.
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Die anderen schwarzen Steine, die man verwechselt

Spinell ist nicht der einzige Kandidat. Drei weitere schwarze Steine kursieren unter unklaren Bezeichnungen:
- Schwarzer Onyx, ein Chalcedon, also mikrokristalliner Quarz, Härte 6,5 bis 7, Dichte ≈ 2,6. Das gleichmäßige Schwarz im Handel entsteht fast immer durch Färbung, eine anerkannte, aber deklarationspflichtige Praxis. Wirkt matter und „voller" als Obsidian;
- Schwarzer Turmalin (Schörl), Härte 7 bis 7,5, Dichte ≈ 3,1. Erkennbar an seinen charakteristischen Längsriefen, gut sichtbar an Rohstücken. Oft als Trommelstein verkauft statt als polierte Perle;
- Hergestelltes schwarzes Glas, das eigentliche Problem der Reihe. Zu perfekt, ohne Einschlüsse, oft durchscheinend an der Kante, manchmal mit sichtbarer Gussnaht. Erwärmt sich sehr schnell in der Hand. Es steckt hinter den „blauen Obsidianen" in unmöglichen Farben.
Ein einfacher Anhaltspunkt zum Sortieren: Ist der Stein facettiert und funkelnd, ist es Spinell. Ist er matt und vollkommen gleichmäßig, denk an gefärbten Onyx. Ist er geriefelt, Turmalin. Ist er zu perfekt und leicht, Glas. Obsidian dagegen behält fast immer eine kleine Unregelmäßigkeit, eine Blase, einen Schleier, eine Nuance im Schwarz.
Ohne Irrtum kaufen

Drei Verhaltensweisen vermeiden fast alle unangenehmen Überraschungen.
Verlange einen genauen Namen. „Schwarzer Stein", „schwarzer Onyx" wahllos verwendet, „Regenbogen-Obsidian" auf einem Stein, der nicht schillert: Ein Verkäufer, der seine Ware kennt, benennt sein Material ohne zu zögern und kann dir sagen, woher es stammt. Unklarheit beim Namen ist das erste Warnsignal.
Sei vorsichtig bei Marketing-Namen. „Mitternachts-Obsidian", „schwarzer Diamant" für Spinell, „Obsidian-Onyx", diese Bezeichnungen existieren in keiner Nomenklatur. Sie dienen dazu, Preisvergleiche zu erschweren. Mein Ratgeber Preis und Wert von Obsidian nennt die realen Preisspannen.
Frage nach dem Gewicht. Das ist die ehrlichste Auskunft, die man über ein Perlenarmband geben kann, und die am seltensten gegeben wird. Zusammen mit dem Perlendurchmesser und der Anzahl kannst du damit die Dichte in dreißig Sekunden selbst überprüfen.
Das ist eine Frage, die mir niemand stellt, und ich finde das schade. Schreib mir, und ich nenne dir das genaue Gewicht des Stücks, das dich interessiert: Das ist die einfachste Überprüfung überhaupt, und ein Handwerker, der sich weigert zu antworten, sagt dir damit schon eine Menge.
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Wenn du zwischen den verschiedenen Obsidian-Arten unsicher bist, schwarz, gold, Schneeflocke, Himmelsauge, , findest du den vollständigen Überblick in meinem Ratgeber zu den Obsidian-Arten. Und für den Gesamtblick den vollständigen Obsidian-Ratgeber.
Vorsichtsmaßnahmen & Pflege
Der Härteunterschied hat eine ganz konkrete Folge: Bewahre deine beiden Steine niemals zusammen auf. Spinell, mit 8 auf der Mohs-Skala, verkratzt Obsidian mühelos. Jedes Stück verdient sein eigenes Stoffbeutelchen oder Fach.
Für Obsidian: weiches Mikrofasertuch, bei Bedarf kurz lauwarmes Wasser, niemals Salz, Scheuermittel, Ultraschallreiniger oder Dampf. Leg deinen Schmuck vor dem Duschen, dem Sport und dem Schlafen ab, bei einem auf elastischem Faden aufgezogenen Armband nutzt sich der Faden zuerst ab. Alles dazu in Obsidian reinigen, und zur energetischen Seite in Reinigen und Aufladen.
Gut zu wissen, die hier genannten gemmologischen Kennwerte (Härte, Dichte, Brechungsindex) sind messbare Daten. Die den Steinen zugeschriebenen Eigenschaften hingegen gehören zu spirituellen Traditionen und zur Steinheilkunde, einem Wellness-Ansatz, der auf Glaubensvorstellungen beruht. Sie stellen keine medizinische Aussage dar, heilen keine Krankheit und ersetzen niemals die Beratung durch eine medizinische Fachperson.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man schwarzen Spinell von Obsidian?
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Welcher schwarze Stein ist am widerstandsfähigsten?
Wie prüft man die Dichte eines Armbands?
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